INTERVIEW

Ready for the Future


Interoperabilitätsplattform bietet Potenzial für verbesserte Gesundheitsversorgung

Wie wird ein ambitioniertes Digitalisierungsvorhaben zu einem richtigen Erfolgsprojekt? Und wie kann es weitergehen? Diese und andere Fragen beantwortet Martin Peuker, CIO/Leitung Geschäftsbereich IT bei der Charité – Universitätsmedizin Berlin, im Interview.

Herr Peuker, warum haben Sie sich für März als Partner in der IT-Kooperation Charité Vivantes entschieden?

Martin Peuker: Bei März hat nicht nur die Lösung überzeugt, sondern auch das Know-how und der Spirit der Mannschaft. Wenn man sich auf unbekanntes Terrain begibt – und ein vergleichbares Projekt wie unseres gibt es nicht –, braucht man einen Technologiepartner an der Seite, der einem das Gefühl vermittelt, mit heißem Herzen dabei zu sein. Und das hat März geschafft.

Wie haben Sie den Spirit gespürt?

M. Peuker: Im ganzen Auftreten. Wir haben beispielweise wenige PowerPoint-Präsentationen zu sehen bekommen, sondern viele Live-Demos, in denen wesentliche Themen unseres Projekts exemplarisch vorgestellt wurden. Darüber hinaus verfügt März mit der März Health Suite über eine Interoperabilitätsplattform, wie sie in dieser Form kein anderer bietet.

Das erste Teilprojekt ist ja bereits abgeschlossen. Was ist Ziel des zweiten?

M. Peuker: Wenn PDF-Dokumente ausgetauscht werden, hat das sicher einen Mehrwert für die Patientenversorgung. Wir haben uns aber höhere Ziele gesetzt. Wir wollen diskrete Daten, also strukturierte Informationen, im Behandlungsprozess zielgerichtet austauschen und direkt in den Workflow integrieren.

Könnten Sie das bitte an einem Beispiel verdeutlichen, Herr Peuker?

M. Peuker: Wir wollen beispielsweise Laborinformationen nicht bloß in Gänze auf einem PDF austauschen, sondern die einzelnen Werte, etwa den Kaliumwert, als strukturierte Informationen gemäß internationalen Standards von einem Informationssystem in ein anderes übertragen.

Gibt es weitere Use Cases?

M. Peuker: Selbstverständlich, und die sind alle von Anforderungen aus der Patientenversorgung getrieben – nicht aus der IT. Konkret ist das zum einen das Infektionsmanagement. Dabei geht es um eine schnellere Prognose aufgrund der strukturierten Werte für multiresistente Keime. Hier wollen wir strukturierte Informationen möglichst schnell über System- und Einrichtungsgrenzen hinweg austauschen und daraus auch Prozesse steuern. Ein zweiter Use Case ist das Management von Intensivpatienten.

Wo liegt in diesem Projekt die Aufgabe von März?

M. Peuker: Die sehen wir auf zwei Ebenen: Neben der Technologie brauchen wir die Beratungskompetenz. Wie bereits erwähnt, verfügt das Unternehmen über herausragende Mitarbeiter. Ich kann auch das an einem Beispiel verdeutlichen. Bleiben wir bei Laborinformationen. Es reicht ja nicht, die Informationen standardisiert in die März Health Suite zu übertragen. Der Prozess beginnt ja bereits bei der Datenerfassung an der Laborstraße. Durch die Unterstützung von März ist es uns gelungen, diesen gesamten Prozess abzubilden. Das war ein Meilenstein für dieses Teilprojekt.

Kommen wir zu den Anwendern, die Sie ja auch unterstützen wollen. Wie ist die Akzeptanz dort?

M. Peuker: Die sind sehr erwartungsfroh. Wir sprechen bei der IT-Kooperation Charité Vivantes wirklich über ein Digitalisierungsprojekt, das auf großes Interesse der Anwenderseite trifft. Bereits im ersten Teilprojekt haben wir gesehen, dass die Akzeptanz äußerst groß ist. Aber nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Patienten. Dort lag die Einwilligungsquote für den Datenaustausch bei nahezu 99 Prozent. Für die Mitarbeiter ist die Usability, also die Benutzerfreundlichkeit, entscheidend für die Akzeptanz. An genau der Stellschraube haben wir viel gedreht, sind immer wieder in den Austausch gegangen und haben geschaut, wie wir die Funktionalitäten vereinfachen und noch besser in den Workflow integrieren können. Ich sehe uns da aber auf einem sehr guten Weg.

Sie sprachen von einem Austausch. Wie genau haben Sie die Mitarbeiter denn mitgenommen?

M. Peuker: In den vergangenen gut zwei Jahren der Pandemie konnten wir selbstverständlich nur wenige Präsenztermine anbieten. Wir haben gelernt, uns bestmöglich über virtuelle Welten zu verschränken. Auch bei diesem Prozess hat – wie im gesamten Projektmanagement – das involvierte Beratungsunternehmen eHealth.Business aus Berlin sehr wertvolle Arbeit geleistet. Kommunikation ist einfach alles, um die Leute zu erreichen, sie zu motivieren und mit dem System vertraut zu machen. Das haben wir auf verschiedenen Ebenen erreicht, beispielsweise über Coach-Schulungen und Schulungsvideos. Wichtig ist, die Mitarbeiter emotional zu packen, dann kann man sie auch begeistern.

Sie haben schon einen kurzen Ausblick auf die nächsten Projekte gewagt, Herr Peuker. Wo soll es mit der März Health Suite darüber hinaus noch hingehen?

M. Peuker: Grundsätzlich ist uns bewusst, dass wir uns national noch besser vernetzen müssen – zum einen in der Patientenversorgung, zum anderen aber auch in der Forschung. Dazu müssen wir unsere Daten noch besser strukturieren und interoperabel machen. Mit der IT-Kooperation Charité Vivantes haben wir, wie ich meine, nicht nur einen Startschuss gesetzt, sondern bereits produktiv gezeigt, dass man derartige Interoperabilitätsplattformen auch in größerem Umfang einsetzen kann. Ganz grundsätzlich stimmen mich die gegenwärtigen Initiativen in Deutschland auch optimistisch, dass wir auf dem richtigen Weg sind und es allgemein vorangeht. Ein Beispiel ist die Telematik-Infrastruktur, auf die die März Health Suite natürlich aufsetzen kann. Tumor- und Implantate-Register wären Beispiele für nationale Anwendungen. Alles in allem sehe ich noch sehr viel mehr Potenzial in der Interoperabilitätsplattform.

Vielen Dank für die spannenden Gedanken, Herr Peuker.

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